Erlebnisbericht eines Einsatzes

Dörnten. Es ist Montag der 30.11.2015 kurz vor 17 Uhr. Ein windiger, regenschwangerer Tag. Unerwartet, wie immer, ertönen die Sirene und mein DME (Digitaler Meldeempfänger). Noch ehe ich zum Einsatz loslaufen kann, sitzt mein jüngster Sohn schon weinend auf meinem Arm. Den Kleinen 1,5 Jährigen Spross hat es richtig erschreckt. Zumal die Sirene der Feuerwehr in direkter Nachbarschaft liegt und ordentlich laut ist. Nun gut, ich muss los! Zusammen eilen wir zur Mama um die Übergabe des Jungen vorzunehmen.

Dann ist kurz Zeit auf den DME nachzusehen, wie das Einsatzstichwort überhaupt lautet: „Einsatzalarm F02 Feuer 2 – Mittel Adresse: LK Goslar B6 alle Abschnitte 0 Lage: Kurz hinter Kunigunde brennt ein Tanklastzug im Führerhaus mit Super und Diesel.“

Ich laufe zum Feuerwehrhaus in meiner Nachbarschaft. Doch aufgrund der günstigen Tageszeit bin ich trotz kürzestem Antrittsweg nicht der Erste hier. Ok, die Übergabe meines Sohnes hat diesmal verhältnismäßig lange gedauert…ich sehe zu, meine Einsatzkleidung schnell anzuziehen, damit wir schleunigst zum Einsatzort ausrücken können. Feuerwehrüberhose, Stiefel und Einsatzjacke übergeworfen, den Helm aufgesetzt. Im Vorbeilaufen noch einen Sicherheitsgurt vom Haken geschnappt und angelegt. Auf dem Löschgruppenfahrzeug (LF) ist noch Platz!

Maschinist (Lars Wa.) und Gruppenführer (Markus) Mein Platz ist der für den Angriffstruppmann. Innerhalb weniger Sekunden ist der Mannschaftsraum komplett gefüllt (Sebastian, Lars Wo., Felix, Christian, Fabian) und die Einsatzfahrt beginnt Richtung Kunigunde.

Mein Truppführer (Ullrich) und ich rüsten uns aufgrund des Einsatz Stichwortes ohne weiteren Befehl des Gruppenführers mit dem Pressluftatmer aus. Wir sitzen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und sehen nicht, was auf uns zukommt. Der Feuerschein kommt nicht aus Kunigunde wie in der Alarmierung geschildert, sondern aus Richtung Jerstedt! Der Maschinist schlägt die neue Fahrtrichtung ein und Markus teilt der Leitstelle mit, dass der Einsatzort nicht Kunigunde ist, sondern Jerstedt!

Als wir am Einsatzort eintreffen, sind die Othfresener Kameraden mit Ihrem Tanklöschfahrzeug bereits vor Ort. Unser Gruppenführer steigt aus, um das weitere Vorgehen mit Kameraden aus Othfresen abzustimmen. Auch zu diesem Zeitpunkt habe ich das brennende Führerhaus noch nicht zu Gesicht bekommen. Angeschnallt in der Begurtung des Pressluftatmers ist eine Drehung zum Brandobjekt nicht möglich.

Markus steigt wieder ein und erzählt uns den Plan: Lars, fahr weiter in den Ort, um von dort aus auf den Feldweg zum Wasserrückhaltebecken zu gelangen, von wo wir die Wasserentnahme für den Angriff herrichten. Die Othfresener werden währenddessen mit ihren 1800 l eine Riegelstellung zwischen Fahrerhaus und Tankauflieger.

Wir fahren am Tanklastzug vorbei, den Ullrich und ich jetzt zum ersten Mal sehen können. Mit Martinshorn und Blaulicht durch Jerstedt und wieder raus in die Feldmark. Markus gibt weitere Befehle: „Wir bauen vom Rückhaltebecken von der TS (Tragkraftspritze) eine Wasserversorgung Richtung Tanklastzug. Wir löschen mit Schwerschaum!“ Dann hält unser LF am Regenrückhaltebecken. „Alle bis auf Angriffstrupp absitzen und Wasserentnahme und Schlauchleitung aufbauen!“

Zügig verlassen die Kameraden das Fahrzeug, entnehmen die Gerätschaften aus den Geräteräumen und richten die Wasserentnahme sowie Schlauchleitung her. Maschinist Lars nimmt wieder im Führerhaus Platz und fährt langsam Richtung Brandstelle. Es sind noch ca. 200 m bis zum brennenden Führerhaus. Wieder hält das Fahrzeug. Der Zumischer für den Schaummitteleinsatz wird vom Fahrzeug entnommen und von den Kameraden in die Schlauchleitung eingebaut. Nun steigen Ullrich und ich aus und schließen uns gegenseitig den Atemanschluss des Pressluftatmers an unsere Atemschutzmasken an. In „Full-Service-Manier“ übernehme ich das Schwerschaumrohr mit angeschlossenem Schlauch von Sebastian. „Lass mal Wasser Marsch geben“, rufe ich ihm durch meine Maske zu und eile mit Ullrich Richtung brennenden Fahrerhaus. Als wir mit dem Schaumrohr am Tanklastzug sind, ist auch das Wasser-Schaumgemisch am Schaumrohr angekommen und wir beginnen mit den Löscharbeiten. Zuerst den Schaum durch die geplatzten Seitenscheiben in das Fahrerhaus und dann auch auf den Tank, um ihn zu kühlen. Dann wieder ins Führerhaus, diesmal indirekt über die Innenseite des Daches des Führerhauses. Dann tippt Markus auf meine Schulter, um mir zu sagen, dass der Schaum nicht im Führerhaus landet, sondern mit dem Wind auf Straße und Feld landet. Ich hatte von meiner Position aus nicht gesehen, dass  das Dach des Führerhauses bereits komplett weggebrannt war. Kurze Zeit Später, nach Neuausrichtung des Strahlrohres, war das Feuer gelöscht.

Doch für die Kameraden aus Goslar ging es jetzt erst los: Der Löschzug, der erst später alarmiert wurde, verlegte noch eine eigene Wasserversorgung, um die von ihnen übernommene Einsatzstelle abzusichern und die Aufräumarbeiten einzuleiten.

 

Wir verstauen unsere Einsatzmittel im LF und fahren zum Feuerwehrhaus zurück, um die benutzten Atemluftflaschen der Pressluftatmer und die Schläuche auszutauschen, um die Einsatzbereitschaft unseres LFs wieder herzustellen. Nach diesen Arbeiten wurde mit den Kameraden der Einsatz durchgesprochen und dabei festgestellt, dass durch das schnelle Handeln aller beteiligten ein größerer Schaden vermieden werden konnte.

RF